Ein abwegiger Gedanke: die Böttcherstraße ist eines der wenigen Zeugnisse dafür , dass sogar der Faschismus Kunst hervorbringen konnte, was sonst nur in Italien -mit Mussolinis Deckung- geschah. Futurismus, Vortizismus, Expressionismus - das Spiel mit Gewalt, Nihilismus oder eben Runenmystik ist abstoßend, aber nicht frei von dekadentem Charme. Wenn ich gelegentlich in Bremen bin, muss ich mir mindestens einmal eine Prise Backsteine reinpfeifen, ähnlich geht es mir im Gelände der Esposizione Universale Roma - z.T. wurde dort gebaut, wie de Chirico gemalt hat.
Trotz Kunstgewerbes, Touris meinesgleichen und verdächtig wohlgestalteter goldene Männer: Hoetger war kein uninspirierter Stümper, und wer mit Backsteinen baut, muss sich schon anstrengen, um menschliches Maß zu verfehlen. Ich frage mich, ob die Bremer Pfeffersäcke das Publikum, speziell das internationale, nicht unterschätzen: eine lautere Darstellung der Entstehungsgeschichte wäre nicht nur geboten, sondern auch ein zusätzliches, sehr interessantes Element.
Ich schätze Hoetger als Künstler und Baumeister sehr
Weniger schätze ich den Geist, aus dem heraus er einige seiner Werke schuf.
Es sind wohl weniger die "Bremer Pfeffersäcke" (sprich: die gesellschaftlich tonangebenden Großkaufleute) als die bremischen Tourismusmanager, die die Geschichte der Böttcherstraße "schönen". Wobei sie, wie andere Tourismusmanager auch, ihr Publikum systematisch unterschätzen: beim Lesen von Fremdenverkehrs-Broschüren habe ich regelmäßig den Eindruck, die anvisierte Zielgruppe hätte die Lebenserfahrung und den Bildungstand eines nicht sonderlich aufgeweckten 9-jährigen. (Es gibt unter dem Label "Jetlag travel" einige zwechfellerschütternde Parodien auf schönfärberische Reiseführer - und übrigens auch auf dumme Touristen-Vorurteile: Molwanien z. B. ist ein (fiktives) Land, das sich aus überzeichneten abfälligen Ost-Europa-Klischees und Horrorurlaubs-Stories Marke "Bild" zusammensetzt - und das im Tourimus-Marketing-Jubeldeutsch verfasst ist.)
Was den Umgang mit dem leidigen Thema "Nazi-Vergangenheit" betrifft, ist die "Böttcherstraße" sozusagen überall - jedenfalls in Deutschland und Österreich
In einem muß ich Dir wiedersprechen: wer mit Backsteinen baut, braucht sich offensichtlich nicht groß anzustrengen, um das menschliche Maß zu verfehlen. Es gibt hier in Hamburg gar nicht mal so wenige düstere Backstein-Mietskasernen. Es gibt kaum etwas deprimierenderes als eine Straßenschlucht zwischen zwei wenig gegliederten Hausfassaden mit kleinen "Loch-Fenstern" aus dunklem Backstein.
Schönes Thema, danke für die Recherche
Trotz Kunstgewerbes, Touris meinesgleichen und verdächtig wohlgestalteter goldene Männer: Hoetger war kein uninspirierter Stümper, und wer mit Backsteinen baut, muss sich schon anstrengen, um menschliches Maß zu verfehlen. Ich frage mich, ob die Bremer Pfeffersäcke das Publikum, speziell das internationale, nicht unterschätzen: eine lautere Darstellung der Entstehungsgeschichte wäre nicht nur geboten, sondern auch ein zusätzliches, sehr interessantes Element.
Ich schätze Hoetger als Künstler und Baumeister sehr
Es sind wohl weniger die "Bremer Pfeffersäcke" (sprich: die gesellschaftlich tonangebenden Großkaufleute) als die bremischen Tourismusmanager, die die Geschichte der Böttcherstraße "schönen". Wobei sie, wie andere Tourismusmanager auch, ihr Publikum systematisch unterschätzen: beim Lesen von Fremdenverkehrs-Broschüren habe ich regelmäßig den Eindruck, die anvisierte Zielgruppe hätte die Lebenserfahrung und den Bildungstand eines nicht sonderlich aufgeweckten 9-jährigen. (Es gibt unter dem Label "Jetlag travel" einige zwechfellerschütternde Parodien auf schönfärberische Reiseführer - und übrigens auch auf dumme Touristen-Vorurteile: Molwanien z. B. ist ein (fiktives) Land, das sich aus überzeichneten abfälligen Ost-Europa-Klischees und Horrorurlaubs-Stories Marke "Bild" zusammensetzt - und das im Tourimus-Marketing-Jubeldeutsch verfasst ist.)
Was den Umgang mit dem leidigen Thema "Nazi-Vergangenheit" betrifft, ist die "Böttcherstraße" sozusagen überall - jedenfalls in Deutschland und Österreich
In einem muß ich Dir wiedersprechen: wer mit Backsteinen baut, braucht sich offensichtlich nicht groß anzustrengen, um das menschliche Maß zu verfehlen. Es gibt hier in Hamburg gar nicht mal so wenige düstere Backstein-Mietskasernen. Es gibt kaum etwas deprimierenderes als eine Straßenschlucht zwischen zwei wenig gegliederten Hausfassaden mit kleinen "Loch-Fenstern" aus dunklem Backstein.