Es gibt, hier bin ich allerdings spekulativ, auch intensive (!) Kontakte zwischen Juden und karthagischen Phöniziern. Darauf weisen einerseits Übereinstimmungen im gemeinsamen Märchen- und Sagenvorrat hin, weiterhin auch die durchaus bedeutende Stellung der "Krethi und Plethi" während des (kleinen) davidianischen Reiches.
So wie ich es sehe: Die antiken Seevölker, nicht allein die karthagischen Phönizier, hatten einen immensen kulturellen Einfluss in der Antiken Welt. Dies belegen auch u.a. Scherbenfunde. In der antiken kulturellen Überlieferung bleibt, wenn ich mir mal auf Basis meines Halbwissens eine zusammenschauende Bemerkung erlauben darf, nicht allzu viel Platz für angeblich besonders kulturtragende blauäugige germanische Hünen aus nordischen Ländern. Die Kulturträger der Antike waren deutlich eher andere:
Semiten.
P.S.
Was u.a. auch belegt, wie immens wichtig kultureller Austausch für die Entwicklung der Menschheit ist - und wie unsinnig Forderungen nach völkischer Reinheit. Austausch und Vielfalt haben einen höheren Wert, jedenfalls dann, wenn man auf Kultur Wert legt.
Was nebenbei belegt, dass praktisch alle Nazis bzw. deren Nachfolger letztlich kulturlos sind bzw. Kulturlosigkeit anstreben.
Allerdings halte ich die "Gegenlegende" zu der Geschichtslegende der "arischen Kulturschöpfer aus dem Norden" für genau so falsch und ähnlich anfällig für politischen Mißbrauch. Ich meine die Legende von den "Barbaren aus dem Nebelland": Die weit verbreitete und sogar in Geschichtsbüchern zu findende Vorstellung, im Europa nördlich der Alpen hätten "bevor die Römer kamen" unzivilisierte und gewaltätige "Wilde", in Bärenhäuten gekleidet und in Lehmhütten hausend, gelebt, während es "anderswo" (südlich der Alpen) schon Großstädte, prachtvolle Tempel, wohlorganisierte Staaten und eine verschriftlichte Literatur gab. Zu diesem Klischee gehören zwangsläufig die Vorstellungen, dass die "alten Germanen" Analphabeten waren - die Runen wären späte, plumpe Nachahmungen der lateinische Schrift gewesen und wären "nur" für "abergläubische" magische Zwecke gebraucht worden. Zum Klischee gehört auch, dass das nördliche Europa fast völlig isoliert gewesen wäre.
Die neueren Erkenntnisse strafen auch das "Barbarenklischee" Lügen. Intensive Kontakte mit den Kathargern passen nicht in dieses Bild.
Besonders beliebt ist die Legende vom Nordland-Barbaren in jenen Kreisen, die Anhänger der Vorstellung eines "christlichen Abendlandes", die Europa eine gemeinsame, einigende christliche Identität zuschreiben (und gerne in der EU-Verfassung festschreiben wollen). Damit sind alle "nicht-christliche" Nationen automatisch außen vor, sondern auch islamische Einwanderer und, vor allem im ostlichen Europa, "selbstverständlich" auch die Juden.
Umgekehrt ist das Klischee von den nordeuropäischen Barbaren auch bei Islamisten äußerst beliebt, im Sinne von "alles nur von den Kreuzfahrern von uns geklaut!"
Der "Klau" (d.h.: nutzbringende Austausch) ist Basis von Kultur
Stimmt schon, mit Gegenlegenden ist noch keine Aufklärung erreicht. Die kulturelle Entwicklung der Menschheit fand stets an verschiedenen Orten zugleich statt, teils unabhängig, teils in gegenseitigem Austausch. Sicher waren die sogenannten Barbaren nicht entfernt so unzivilisiert, wie sie von interessierter Seite gezeichnet wurden.
Um mal ein Beispiel aus ganz entfernter Ecke dafür anzuführen: Ich finde beispielsweise (auch wenn das nicht meine religiöse Ecke ist), dass die arianische Theologie (eine typische "Barbarentheologie") viele Jahrhunderte lang argumentativ weit höher stand als z.B. der frühe Katholizismus. Warum ist das wichtig? Weil ich persönlich meine, dass Theologie und die Differenziertheit eines theologischen Systems als eines von mehreren Merkmalen verwendet werden kann, um die, ähm, "Kulturhöhe" (mir fällt jetzt kein besseres Wort ein) bzw. kulturelle Differenziertheit einer Kultur als Indikator aufzuzeigen.
Aber sicherlich finden sich auch in vielen anderen Bereichen Hinweise darauf, dass die sogenannten "Barbaren" oft weder kulturlos noch unzivilisiert waren.
Das Faszinierende ist für mich, bei der Auseinandersetzung mit der Antike, wie sehr die moderne Archäologie den Befund der kulturellen Vielfalt unterstützt, und die Idee singulärer "Kulturträger" verwirft.
Schöner Beitrag, gefällt mir.
So wie ich es sehe: Die antiken Seevölker, nicht allein die karthagischen Phönizier, hatten einen immensen kulturellen Einfluss in der Antiken Welt. Dies belegen auch u.a. Scherbenfunde. In der antiken kulturellen Überlieferung bleibt, wenn ich mir mal auf Basis meines Halbwissens eine zusammenschauende Bemerkung erlauben darf, nicht allzu viel Platz für angeblich besonders kulturtragende blauäugige germanische Hünen aus nordischen Ländern. Die Kulturträger der Antike waren deutlich eher andere:
Semiten.
P.S.
Was u.a. auch belegt, wie immens wichtig kultureller Austausch für die Entwicklung der Menschheit ist - und wie unsinnig Forderungen nach völkischer Reinheit. Austausch und Vielfalt haben einen höheren Wert, jedenfalls dann, wenn man auf Kultur Wert legt.
Was nebenbei belegt, dass praktisch alle Nazis bzw. deren Nachfolger letztlich kulturlos sind bzw. Kulturlosigkeit anstreben.
Ich sehe das ähnlich
Die neueren Erkenntnisse strafen auch das "Barbarenklischee" Lügen. Intensive Kontakte mit den Kathargern passen nicht in dieses Bild.
Besonders beliebt ist die Legende vom Nordland-Barbaren in jenen Kreisen, die Anhänger der Vorstellung eines "christlichen Abendlandes", die Europa eine gemeinsame, einigende christliche Identität zuschreiben (und gerne in der EU-Verfassung festschreiben wollen). Damit sind alle "nicht-christliche" Nationen automatisch außen vor, sondern auch islamische Einwanderer und, vor allem im ostlichen Europa, "selbstverständlich" auch die Juden.
Umgekehrt ist das Klischee von den nordeuropäischen Barbaren auch bei Islamisten äußerst beliebt, im Sinne von "alles nur von den Kreuzfahrern von uns geklaut!"
Der "Klau" (d.h.: nutzbringende Austausch) ist Basis von Kultur
Um mal ein Beispiel aus ganz entfernter Ecke dafür anzuführen: Ich finde beispielsweise (auch wenn das nicht meine religiöse Ecke ist), dass die arianische Theologie (eine typische "Barbarentheologie") viele Jahrhunderte lang argumentativ weit höher stand als z.B. der frühe Katholizismus. Warum ist das wichtig? Weil ich persönlich meine, dass Theologie und die Differenziertheit eines theologischen Systems als eines von mehreren Merkmalen verwendet werden kann, um die, ähm, "Kulturhöhe" (mir fällt jetzt kein besseres Wort ein) bzw. kulturelle Differenziertheit einer Kultur als Indikator aufzuzeigen.
Aber sicherlich finden sich auch in vielen anderen Bereichen Hinweise darauf, dass die sogenannten "Barbaren" oft weder kulturlos noch unzivilisiert waren.
Das Faszinierende ist für mich, bei der Auseinandersetzung mit der Antike, wie sehr die moderne Archäologie den Befund der kulturellen Vielfalt unterstützt, und die Idee singulärer "Kulturträger" verwirft.