Köppnick - 4. Aug, 22:49

Ohne die genaue Konstruktion eines AKWs zu kennen, ist natürlich eine exakte Analyse nicht möglich. Aber zumindest das Folgende gilt sicherlich: Mit Hilfe der Kernkraft wird Wärme erzeugt, diese Wärme wird mittels eines wärmeleitenden Mediums abtransportiert und an den Generatoren teilweise in Strom umgesetzt. Die verbleibende Abwärme (dürfte so in der Größenordnung von 60-70% der Gesamtenergie liegen) wird an die Umwelt abgegeben.

In der gesamten Anlage gibt es also ein Temperaturgefälle, dass im Normalfall an jeder Stelle eine bestimmte Temperatur ergibt, für die die Anlage ausgelegt ist. Selbst wenn die Bremsstäbe im Havariefall in den Reaktorkern fallen, steigt die Temperatur bei einem Ausfall des Kühlmittelkreislauf in der Nähe des Reaktorkerns an. Nicht durch neu entstehende Wärme, sondern allein durch die Energie, die bereits vorhanden ist. Ab einer bestimmten Temperatur verdampft das Kühlmittel, das ja im Normalfall schon flüssig ist. Bei noch höherer Temperatur werden auch die festen Stoffe erst flüssig und können bei weiterer Temperaturerhöhung ebenfalls verdampfen (=Explosion).

Die Stoffe in der Umgebung des Reaktorkerns sind alle radioaktiv, in verdampfter Form hat man dann einen höheren Gasdruck, den der Behälter nicht zurückhalten kann, es tritt Radioaktivität aus.

Ein "sicheres" Kernkraftwerk müsste so konzipiert sein, dass nach dem beliebigen Ausfall einer oder mehrerer Komponenten die Temperaturen an allen Stellen unterhalb dieser kritischen Größen bleibt. Dieses Konstruktionsziel steht aber mit dem einer möglichst großen Energieausbeute im Widerspruch, denn der Wirkungsgrad des Kraftwerks ist um so höher, je größer die Temperaturunterschiede zwischen der "warmen" und der "kalten" Seite sind. (Physikalisch gesehen steckt der theoretisch maximale Wirkungsgrad nämlich im Verhältnis der beiden Temperaturen, gemessen in Kelvin.) Die Konstrukteure werden also so oder so immer an die Limits gehen, die sie noch für beherrschbar halten, und niemals die maximal mögliche Sicherheit vorsehen.

Die Hauptprobleme von Kernkraftwerken liegen aber sicherlich nicht in der Sicherheit der Anlagen, sondern in den entstehenden radioaktiven Abfällen und in der Tatsache, das AKWs Großkraftwerke sind. Ersteres bedeutet, dass unsere niedrigen Strompreise von den Menschen der Zukunft bezahlt werden, die sich noch lange um unsere Abfälle kümmern müssen, ohne selbst einen Nutzen davon zu haben. Letzteres bedeutet, dass eine auf AKWs basierende Infrastruktur extrem anfällig für singuläre Ausfälle ist - und außerdem die Monopolbildung der Versorgungsunternehmen möglich macht.






einen höheren Druck

MMarheinecke - 7. Aug, 11:32

Stimmt, aber ich möchte dazu noch etwas senfen

Vorgestellt sei die Bemerkung, dass ich nicht zu jenen gehöre, die gern ein Atomkraftwerk im Garten stehen hätten. Den Argumenten, dass die Hauptprobleme der AKWs die nach wie vor ungelöste Frage der sicheren "Endlagerung" und die notwendigerweise extrem zentralistische Struktur einer auf Kernkraftwerken beruhenden Stromversorgung sind, kann ich zustimmen.
Selbst wenn die Bremsstäbe im Havariefall in den Reaktorkern fallen, steigt die Temperatur bei einem Ausfall des Kühlmittelkreislauf in der Nähe des Reaktorkerns an. Nicht durch neu entstehende Wärme, sondern allein durch die Energie, die bereits vorhanden ist. Ab einer bestimmten Temperatur verdampft das Kühlmittel, das ja im Normalfall schon flüssig ist.
So geschehen z. B. im KKW Three Miles Island.
Bei noch höherer Temperatur werden auch die festen Stoffe erst flüssig und können bei weiterer Temperaturerhöhung ebenfalls verdampfen (=Explosion).
Nicht ganz richtig. Die Restwärme reicht unter Umständen aus, dass die Brennstabhüllen schmelzen (teilweise geschehen in Three Miles Island), für einen kompletten "Meltdown" des Reaktorkerns (also durch den Sicherheitsbehälter hindurch) reicht sie nicht aus. Im Falle Tschernobyl lief die Kettenreaktion nicht nur weiter, sie nahm sogar unkontrolliert zu, der Reaktor "ging durch". Bei wassermoderierten Reaktoren ist das aus psysikalischen Gründen nicht zu befürchten. (Mal ganz davon abgesehen, dass es in Tschernobyl nichts gab, was einem Containment auch nur entfernt ähnlich gesehen hätte.)

Das soll nun wirklich nicht heißen, dass Vorfälle wie in Forsmark "harmlos" wären, geht wirklich alles schief, was schief gehen kann, einschließlich eines Versagen des Containments, ist die unmittelbare Umgebung des havarierten Kraftwerks auf Dauer "heiß" (eine "Todeszone" die wahrscheinlich, weil das ausgetretene radioaktive Material nicht weiträumig verteilt wurde, sondern in einem relativ kleinen Radius verbliebe, weitaus "heißer" wäre, als die um Tschernobyl). In dicht besiedelten Gebieten würden auch Anwohner gesundheitsschädliche Dosen Radioaktivität abbekommen.

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