Für eine Grob-Unterteilung finde ich diese 2-Koordinaten-Systeme ganz lustig - allerdings wird es weniger lustig, wenn man genauer hinschaut. Dass Bush neben Scharon steht, das finde ich bereits unpassend, dass aber beide direkt neben Hitler stehen, das ist unerträgliich bzw. zeigt m.E. die Mangehaftigkeit dieser 2-Koordinatien-Systeme.
Ein anderer Brennpunkt ist die Ökonomie. Ein Linksliberaler, wie ich ihn verstehe, der will nicht einfach eine Art Mittelposition zwischen "Kollektivismus" und "freien Kapitalismus" einnnehmen.
Auf den ersten Blick mag das so aussehen, aber tatsächlich ist ein Linksliberaler oft sogar noch anti-kollektivistischer als es Parteien sind, die im ökonomischen Beurteilungsspektrum "rechts" vom Linksliberalen eingeordnet werden. Ein Beispiel: Sehr viele (eigentlich: fast alle) Linksliberale lehnen die Kollektivismusformen der Europäischen Union ab, und zwar deutlisch schärfer und fundamentalisitscher als es z.B. FDP/CDU tun. Linksliberale lehnen auch die Gewährung staatlicher Monopole an die Privatwirtschaft ab und fordern stattdessen Monopolzerschlagung (das ist also eine eher anti-kollektivistische Position), z.B. im Fall des Streits um die Ausweitung des Urheberrechtsschutz bzw. bei der Ausweitung gewerblicher Schutzrechte (welche ja staatlich gewährte Patente bzw. Exklusiverwertungen, also Monopole darstellen) oder im Bereich von Markt-Übermacht von Stromkonzernen.
Doch wie ordnet man derlei Auffassungen auf einer ökonomischen Skala ein? Es ist ja tatsächlich in diesem Fall, um es sehr grob zu verschlagworten, "weniger Staat" und "mehr Freiheit". Gleichzeitig werden von Linksliberalen kosteneffiziente, aber wirkungsmächtige staatliche Eingriffe in die ökonomische Rahmenordnung gefordert, wenn es folgende Bereiche geht: um die Verteidigung sozialer Schutzrechte, Konsumentenschutz, Erzwingung (!) von Markttransparenz, Beschränkung bzw. Abbau privater Gewinne in solidarischen Wirtschaftsbereichen (z.B. Gesundheit), Schaffung von Leistungswettbewerb in solidarischen Wirstschaftsbereichen, Schaffung bzw. Begünstigung von Gegengewichtung zu Markt- und Machtmächtigen, moderate Mindestlöhne, Erzwingung eines ausreichenden Ausbildungsplatzangebots via kostenneutraler Umlage , Internalisierung externer Effekte z.B. ökologischer Art usw. usf.
Oder nehmen wir linksliberale Vorstellung in der Steuerpolitik: Hier wird zwar - moderat - der Abbau von Staatsquote und Bürokratielast gefordert, aber zugleich eine explizite Mehr-Belastung der Wohlhabenden und eine Entlastung der kleinen Leute, besonders der arbeitenden Bevölkerung und von Familien. Das heißt, eine typisch linksliberale Steuerpolitik bedeutet nicht "mehr " Steuern im Vergleich zu wirstschaftsliberalen bzw. marktradikal-sympathisierenden Vorstellungen, sondern eine gerechtere Steuererhebung. Für einen Linksliberalen ist ein Mann wie Ackermann (zahlt fast gar keine Steuern) in Hinblick auf seine Beteiligung an Solidarlassten und seine tatsächliche Besteuerung ein Verbrecher bzw. Steuerbetrüger, der mehrzubelasten ist, während z.B. typische Einzelhandeslbeschäftigte steuerlich minderzubelasten sind.
Wie soll das in einem ökonomischen Wertungmuster dargesetllt werden als "llinks" bzw. "rechts" oder noch dämlicher als "Kollektivismus" versus "mehr Markt"??
... nämlich, dass jedes Koordinatensystem der "politischen Richtung" wilkürliche Annahmen enthält. Weshalb ich in meiner Überlegung auch radikal subjektiv von meinen Wertmaßstäben ausging - der Maßstab "wirtschaftliche Selbstbestimmung" ist noch um Einiges willkürlicher als das "links-rechts"-Schema im Political Compass, weil er nur auf meiner persönlichen Ansicht über wirtschaftliche Selbstbestimmung beruht. (Die ich seitenlang erläutern müßte, um meine Einordnungen auch nur plausibel erscheinen zu lassen. )
Den Sinn und Zweck dieser 2-D und 3-D-Koordinatensysteme sehe eher darin, bestehende Denkgewohnheiten infrage zu stellen, als konkrete und korrekte politische Richtungsbestimmungen zu geben.
Gerade das Political Compass System zeigt überraschende "Schnittmengen" auf, u. U. die, das vermeindlich "rechte" und "linke" Politiker sich unter Umständen sehr "nah" sein können. (Deshalb auch der unorigineller Titel des Beitrags - gut, mir fiel parout nichts Besseres ein.)
Dass Bush neben Scharon steht, ist zwar unpassend, aber der politische und ökonomische "Vorrat an Gemeinsamkeiten" ist tatsachlich nicht eben klein. In ethischer Hinsicht liegen zwischen beiden Politikern und Hitler ganze Welten, aber das zeigt m. E. dass Hitler so "radikal" gar nicht war: die Ideologie des "Nationalsozialismus" stammt bis auf einige Versatzstücke aus der "Mitte der deutschen Gesellschaft". Die Vorstellungen eines alter oder neuen Nazi, wie Wirtschaft, Staat, Kultur und Lebensstil auszusehen haben, unterscheiden sich von denen eines "braven Bürgers" nur dadurch, dass er eben nicht "brav" ist. Die Vorurteils- und Vorliebenstruktur ist absolut massenkompatibel - "die zivilisatorische "Sicherung" ist aber entfernt. Ein "gewöhnlicher" Antisemit ermordet keine Juden, weil er immer noch einen Menschen für einen Menschen und Mord für Mord hält. Der "Trick" der Naziideologie ist, diesem "gewöhlichen Antisemiten" weiszumachen, dass der Jude eben kein "Mensch wie ich und du" ist - und damit die ethische und moralischen "Sicherungen" auszuschalten.
Dass heißt, die Position auf dem Koordinatensystem gibt an, wo jemand "steht", nicht, zu was er "fähig" wäre. Ethische und moralische Faktoren sind ausgeklammert.
Damit ist auch die Frage danach, wo die "Guten" stehen, beantwortet: Was z. B. den Dalai Lama "gut" macht, ist nicht seine in der Tat große Toleranz oder seine Einsicht, dass Theokratien überholt sind und ein "freies Tibet" eine parlamentarische Demokratie sein sollte - es ist seine persönliche Ethik. Der tibetische Buddhismus hat genau so seine Leichen im Keller wie andere Religionen auch, und gerade in der tibetische Tradition gäbe es genügend Anknüpfungspunkte für eine aggressive Theokratie. Was Ghandi zu einem "guten" Menschen machte, war seine konsequente Gewaltlosigkeit - denn seine politischen Ansichten unterschieden sich nicht wesendlich von jenen Revolutionären, die Indien mit Gewehren und Bomben befreien wollten.
Eine Bekannte hat mir von einer Videoinstallation berichtet, die in Erfurt zu sehen war. Immer abwechselnd sprachen Bush und Ibn Laden. Wahrscheinlich waren die Szenen untertitelt, so genau weiß ich das nicht mehr. Die Zuschauer standen verständnislos vor dem Bildschirm, weil sie nicht begriffen, was die Installation soll. Erst allmählich ist es ihnen dann gedämmert: Bush wurden Ibn Ladens Worte in den Mund gelegt, dieser wiederum hielt eine Rede von Bush. Man hat es kaum bemerkt.
Sicherlich hat der Künstler sich hier die passenden Versatzstücke aus deren Reden zusammengesucht, aber dass das überhaupt ging, zeigt meiner Meinung nach, dass sich die beiden in bestimmten fundamentalistischen und auf die Richtigkeit ihrer Ansichten pochenden Denkstrukturen kaum unterscheiden.
Was man vielleicht aus dem Politischen Kompass herauslesen kann, ist, wer mit wem Zweckbündnisse eingehen könnte, weil man sich in bestimmten politischen Fragen und in der Herangehensweise ähnelt. Gerade die Vereinigten Staaten haben schon häufig mit Leuten und Systemen paktiert, die unseren demokratischen Idealen in keiner Weise entsprechen.
Ansonsten fehlt beim Politischen Kompass völlig der Kontext. Man hat Hitler oder Bush ja nicht selbst befragt, sondern hat sich die Zahlenwerte aus dem zusammengebastelt, was man glaubt, über sie zu wissen. Das hat in etwa die Aussagekraft wie die IQ-Berechnung für Goethe mit über 200.
Unklare Einteilung über zweidimensionales System
Ein anderer Brennpunkt ist die Ökonomie. Ein Linksliberaler, wie ich ihn verstehe, der will nicht einfach eine Art Mittelposition zwischen "Kollektivismus" und "freien Kapitalismus" einnnehmen.
Auf den ersten Blick mag das so aussehen, aber tatsächlich ist ein Linksliberaler oft sogar noch anti-kollektivistischer als es Parteien sind, die im ökonomischen Beurteilungsspektrum "rechts" vom Linksliberalen eingeordnet werden. Ein Beispiel: Sehr viele (eigentlich: fast alle) Linksliberale lehnen die Kollektivismusformen der Europäischen Union ab, und zwar deutlisch schärfer und fundamentalisitscher als es z.B. FDP/CDU tun. Linksliberale lehnen auch die Gewährung staatlicher Monopole an die Privatwirtschaft ab und fordern stattdessen Monopolzerschlagung (das ist also eine eher anti-kollektivistische Position), z.B. im Fall des Streits um die Ausweitung des Urheberrechtsschutz bzw. bei der Ausweitung gewerblicher Schutzrechte (welche ja staatlich gewährte Patente bzw. Exklusiverwertungen, also Monopole darstellen) oder im Bereich von Markt-Übermacht von Stromkonzernen.
Doch wie ordnet man derlei Auffassungen auf einer ökonomischen Skala ein? Es ist ja tatsächlich in diesem Fall, um es sehr grob zu verschlagworten, "weniger Staat" und "mehr Freiheit". Gleichzeitig werden von Linksliberalen kosteneffiziente, aber wirkungsmächtige staatliche Eingriffe in die ökonomische Rahmenordnung gefordert, wenn es folgende Bereiche geht: um die Verteidigung sozialer Schutzrechte, Konsumentenschutz, Erzwingung (!) von Markttransparenz, Beschränkung bzw. Abbau privater Gewinne in solidarischen Wirtschaftsbereichen (z.B. Gesundheit), Schaffung von Leistungswettbewerb in solidarischen Wirstschaftsbereichen, Schaffung bzw. Begünstigung von Gegengewichtung zu Markt- und Machtmächtigen, moderate Mindestlöhne, Erzwingung eines ausreichenden Ausbildungsplatzangebots via kostenneutraler Umlage , Internalisierung externer Effekte z.B. ökologischer Art usw. usf.
Oder nehmen wir linksliberale Vorstellung in der Steuerpolitik: Hier wird zwar - moderat - der Abbau von Staatsquote und Bürokratielast gefordert, aber zugleich eine explizite Mehr-Belastung der Wohlhabenden und eine Entlastung der kleinen Leute, besonders der arbeitenden Bevölkerung und von Familien. Das heißt, eine typisch linksliberale Steuerpolitik bedeutet nicht "mehr " Steuern im Vergleich zu wirstschaftsliberalen bzw. marktradikal-sympathisierenden Vorstellungen, sondern eine gerechtere Steuererhebung. Für einen Linksliberalen ist ein Mann wie Ackermann (zahlt fast gar keine Steuern) in Hinblick auf seine Beteiligung an Solidarlassten und seine tatsächliche Besteuerung ein Verbrecher bzw. Steuerbetrüger, der mehrzubelasten ist, während z.B. typische Einzelhandeslbeschäftigte steuerlich minderzubelasten sind.
Wie soll das in einem ökonomischen Wertungmuster dargesetllt werden als "llinks" bzw. "rechts" oder noch dämlicher als "Kollektivismus" versus "mehr Markt"??
Ich frag ja nur
Du hast das Grundprobleme ganz klar erkannt ...
Den Sinn und Zweck dieser 2-D und 3-D-Koordinatensysteme sehe eher darin, bestehende Denkgewohnheiten infrage zu stellen, als konkrete und korrekte politische Richtungsbestimmungen zu geben.
Gerade das Political Compass System zeigt überraschende "Schnittmengen" auf, u. U. die, das vermeindlich "rechte" und "linke" Politiker sich unter Umständen sehr "nah" sein können. (Deshalb auch der unorigineller Titel des Beitrags - gut, mir fiel parout nichts Besseres ein.)
Dass Bush neben Scharon steht, ist zwar unpassend, aber der politische und ökonomische "Vorrat an Gemeinsamkeiten" ist tatsachlich nicht eben klein. In ethischer Hinsicht liegen zwischen beiden Politikern und Hitler ganze Welten, aber das zeigt m. E. dass Hitler so "radikal" gar nicht war: die Ideologie des "Nationalsozialismus" stammt bis auf einige Versatzstücke aus der "Mitte der deutschen Gesellschaft". Die Vorstellungen eines alter oder neuen Nazi, wie Wirtschaft, Staat, Kultur und Lebensstil auszusehen haben, unterscheiden sich von denen eines "braven Bürgers" nur dadurch, dass er eben nicht "brav" ist. Die Vorurteils- und Vorliebenstruktur ist absolut massenkompatibel - "die zivilisatorische "Sicherung" ist aber entfernt. Ein "gewöhnlicher" Antisemit ermordet keine Juden, weil er immer noch einen Menschen für einen Menschen und Mord für Mord hält. Der "Trick" der Naziideologie ist, diesem "gewöhlichen Antisemiten" weiszumachen, dass der Jude eben kein "Mensch wie ich und du" ist - und damit die ethische und moralischen "Sicherungen" auszuschalten.
Dass heißt, die Position auf dem Koordinatensystem gibt an, wo jemand "steht", nicht, zu was er "fähig" wäre. Ethische und moralische Faktoren sind ausgeklammert.
Damit ist auch die Frage danach, wo die "Guten" stehen, beantwortet: Was z. B. den Dalai Lama "gut" macht, ist nicht seine in der Tat große Toleranz oder seine Einsicht, dass Theokratien überholt sind und ein "freies Tibet" eine parlamentarische Demokratie sein sollte - es ist seine persönliche Ethik. Der tibetische Buddhismus hat genau so seine Leichen im Keller wie andere Religionen auch, und gerade in der tibetische Tradition gäbe es genügend Anknüpfungspunkte für eine aggressive Theokratie. Was Ghandi zu einem "guten" Menschen machte, war seine konsequente Gewaltlosigkeit - denn seine politischen Ansichten unterschieden sich nicht wesendlich von jenen Revolutionären, die Indien mit Gewehren und Bomben befreien wollten.
Bush und Ibn Laden
Sicherlich hat der Künstler sich hier die passenden Versatzstücke aus deren Reden zusammengesucht, aber dass das überhaupt ging, zeigt meiner Meinung nach, dass sich die beiden in bestimmten fundamentalistischen und auf die Richtigkeit ihrer Ansichten pochenden Denkstrukturen kaum unterscheiden.
Was man vielleicht aus dem Politischen Kompass herauslesen kann, ist, wer mit wem Zweckbündnisse eingehen könnte, weil man sich in bestimmten politischen Fragen und in der Herangehensweise ähnelt. Gerade die Vereinigten Staaten haben schon häufig mit Leuten und Systemen paktiert, die unseren demokratischen Idealen in keiner Weise entsprechen.
Ansonsten fehlt beim Politischen Kompass völlig der Kontext. Man hat Hitler oder Bush ja nicht selbst befragt, sondern hat sich die Zahlenwerte aus dem zusammengebastelt, was man glaubt, über sie zu wissen. Das hat in etwa die Aussagekraft wie die IQ-Berechnung für Goethe mit über 200.