Mittwoch, 24. August 2011

Probleme des Raumschiff-Designs in der Science Fiction

Vor gut 30 Jahren erschien in "Perry Rhodan" eine Risszeichung, die grundsätzlich zeigt, welche Problemen Science Fiction-Schaffenden haben, wenn es darum geht, die Technik einer fernen Zukunft zu schildern, zu zeichnen oder zu filmen: die Zeichnung "Abfangjäger der neuen 'Redhorse'-Baureihe", gezeichnet von Jürgen Rudig, 1981, erstmals veröffentlicht in PR Band 1059 "Fels der Einsamkeit".

Auf seinem "Phuturama" interviewt Gregor Sedlag (selbst ein begnadeter Risszeichner) Jürgen Rudig: “Alles nur ein Spaß?” – 30 Jahre Redhorse-Jäger. (Wo dann auch diese legendäre Zeichnung zu sehen ist.)

Normalerweise sind Risszeichnungen futuristischer Technik in Perry Rhodan so etwas wie Extras - nett anzusehen, manchmal interessant, aber selten bis nie hauptsächlicher Kaufgrund oder Leseanreiz. Und selten bis nie Anlass für Diskussionen unter den Lesern.
Die RZ des "Redhorse-Jägers" führte hingegen zu sehr kontroversen Reaktionen der Leser. Viele bemängelten die Freihandzeichung ("Fliegender Schrotthaufen"), andere waren entzückt. Es war das erste Mal, dass die Fans sich dermaßen in Begeisterung oder totaler Ablehnung über eine Risszeichnung ausließen.
(Wie sah meine Reaktion damals aus? So! Ich gehörte also zu jenen, die Jürgen Rudigs Zeichung inspirierend fanden. Wenn auch das Ergebnis bei mir eher dürftig war.)
Ich war immer der Meinung, Raumschiffe – und die Typen, die sie fliegen – sehen in zweitausend Jahren ganz anders aus als für uns vorstellbar. Raumschiff Orion mit seiner ganz eigenen Ästhetik imponierte mir z. B. viel mehr als der ganze Star Wars-Kram.
Ich kann da Jürgen Rudig nur zustimmen. Sein "Raumjäger" lässt deutlich werden: so, wie wir uns das heute vorstellen, werden die Raumschiffe der fernen Zukunft (wenn es sie einmal geben sollte) garantiert nicht aussehen.

Bei Technik, die sozusagen in "Sichtweite" ist, also die nahe Zukunft betrifft, sieht das Design-Problem für SF-Schaffende grundsätzlich anders aus. Hier kann der Aspekt "technische Glaubwürdigkeit" sehr wichtig sein, und zwar nicht nur in der "harten", naturwissenschaftlich-technisch orientierten SF, sondern auch bei SF, bei der eher soziale oder politische Fragen im Vordergrund stehen. Typische Fragen wären: Sind die hinter dem geschilderten oder gezeichneten Gerät stehenden Prinzipien glaubwürdig? Wäre es sinnvoll, so etwas wirklich zu bauen, bzw. kann dem Leser / Betrachter der Sinn so eines Gerätes plausibel gemacht werden? Ist das Design benutzerfreundlich?

Darüber muss sich jemand, der ein überlichtschnelles Raumschiff entwirft, keine Gedanken machen. Schon deshalb, weil nach dem derzeitigen Stand der Physik so etwas schlicht unmöglich ist. Fast wie in der Fantasy hat der "Raumschiff-Designer" freies Feld.

Das die allerwenigsten SF-Schaffenden wirklich nutzen.

"Star Wars" ist ein klassisches Beispiel, wie unsere der bekannten Technik verhafteteten Sehgewohnheiten das Design bestimmen. Es gibt einfach keinen Grund, weshalb ein altes, etwas vergammeltes Raumschiff auf die gleiche Weise verwittert sein sollte, wie ein vergammelter alter LKW - außer, dass wir an alte, vergammelte LKW gewohnt sind. Also sehen Raumjäger "irgendwie" wie Jagdflugzeuge, Raumschlachtschiffe "irgendwie" wie schwimmende Kriegsschiffe, Antigrav-Gleiter wie fliegende Autos usw. aus. Ich will nicht sagen, dass das Design bei "Star Wars" schlecht oder langweilig wäre - aber es ist ziemlich konventionell.

Wie Technik zugleich glaubwürdig und "ungewohnt" sein kann, zeigte etwas später der erste "Alien"-Film - ohnehin ein Meilenstein der "Gebrauchskunst".

Das Design von "Orion" ist nicht nur wegen des kreativen Einsatzes von Alltagsgegenständen (Bügeleisen, Wasserhähne usw.) bemerkenswert, sondern, weil es mit einfachen Mitteln eine exotische Anmutung schuf.

"Star Trek" ist verglichen damit eher bieder - was für das Design aller ST-Serien gilt. Zum Teil ist das allerdings dem überzeugenden Ansatz Gene Roddenberrs geschuldet, technische Geräte von der Funktion her zu sehen, und nicht umgekehrt (wie es oft bei Perry Rhodan der Fall ist), vom (utopischen) technischen Prinzip das Aussehen ableiten zu wollen. Wie Roddenberry es selbst ausdrückte, käme kein Polizist in einem Fernsehkrimi auf die Idee, lang und breit die Funktionsweise seiner Dienstpistole zu schildern. Man kann mit dem Ding jemanden erschießen, und damit fertig! Das ist das Geheimnis, wieso viele der in der originalen Star Trek Serie der 60er Jahre gezeigten Gerätschaften später realisierten Geräten mit der entsprechenden Funktion so ähnlich sehen. (Z. B. Tablet-Computer) - die Funktion für den Benutzer gibt das Design vor, nicht das (mögliche) technische Prinzip
Trotz einer gewissen Biederkeit gelang "Star Trek" ein Meilenstein im SF-Design: das originale Raumschiff "USS Enterprise, NCC 1701" (kein A, B, C, oder D).
Gene Roddenberry stellte ganz klare Bedingungen an den Entwurf: er wollte auf keinen Fall irgendwelchen Leitwerksflossen, Düsen oder Lufteinlässe sehen. Kein "Raketenschiff", keine "fliegende Untertasse".
Und so entstand ein Raumschiff, das zugleich exotisch wie "glaubwürdig" anmutet.
Dem gegenüber war die Pseudo-Stromlinenform der "The Next Generation" Enterprise NCC 1701-D ein deutlicher Rückschritt.

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