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Sonntag, 19. Juli 2009

Anklage wegen Kinderpornographie für Still-Foto

Jacqueline Mercado, eine peruanische Einwanderin, die in Richardson im US-Bundesstaat Texas lebt, nahm einige Fotos ihrer kleinen Kinder auf. Eines dieser Fotos zeigt sie, wie sie ihrem Sohn die Brust gibt. Eine Woche nachdem sie die Filme bei einer örtlichen Drogerie zum Entwickeln gegeben hatte, durchsuchte die Polizei ihr Haus nach Kinderpornographie. Ihr droht eine Gefängnisstrafe. Außerdem erschien ein Mitarbeiter der staatlichen Kinderfürsorge, um ihre Kinder mitzunehmen.
Woman charged with possession of child pornography for Taking photos of herself breastfeeding!

Nun könnte man sich selbstgerecht zurücklehnen und sagen: "Klar, die prüden Amis mal wieder". Allerdings ist Prüderie bei diesem Fall wahrscheinlich das kleinste Problem:
In Texas gibt es ein Gesetz, dass allen Erwachsenen vorschreibt, dass sie jeden Verdacht des Kindesmissbrauchs melden müssen. Entsprechende gesetzliche Regelungen werden auch in Deutschland diskutiert.
Das Problem: Die Grenzen, wo Missbrauch anfängt, sind im texanischen Gesetz nicht klar umrissen. Und da hartes und konsequentes Vorgehen gegen Kinderpornographie nicht nur in Texas allgemeiner Konsens ist, reicht der bloße Verdacht eines Angestellten im Fotolabor aus, damit die ganze Härte des Gesetzes zuschlägt.
Der treibende Faktor dabei ist, vermute ich, nicht "Prüderie", sondern Angst. Der Drogerieangestellte hatte Angst, sich strafbar zu machen, wenn er etwas, dass vielleicht Kinderpornographie sein könnte, nicht meldet. Auch beim Handeln der Polizei und Jugendamt spielt die Angst, etwas Falsches zu tun, sicherlich eine große Rolle.
Das moralische Dilemma ist klar: rein intuitiv ist es besser, lieber 1000 vergebliche Hausdurchsuchungen, als das ein "Kinderporno"-Hersteller durch die Lappen geht. Lieber 1000 Eltern das Sorgerecht entziehen, als auch nur ein Kind in den Händen eines Kinderschänders zu lassen. Das Problem: wo fängt "Kinderpornographie" (besser: im Bild festgehaltene sexuelle Kindesmisshandlung) an?

Warum sind die Grenzen in Gesetz denn nicht scharf markiert? Dazu sehe man sich z. B. die Änderungen der deutsche Gesetzgebung zur Kinder- und Jugendpornographie an § 184 b StGB und § 184 c StGB, dann sind die Grenzen auch in Deutschland alles andere als deutlich gezogen. Hintergrund ist die Angst, einen überführten "Kinderpornographie"-Hersteller, -Verbreiter oder -Sammler aufgrund eines formalen Kriteriums laufen lassen zu müssen.

Bücherverbrennung 2.0 - wie DRM in der Praxis wirkt

Vorweg: ich bin kein Feind des technischen Fortschritts, und ich habe im Prinzip auch nichts gegen elektronische Bücher, eBooks.

Allerdings traute ich von Anfang an dem eBook-Lesegerät "Kindle" und dem Buchhändler Amazon nicht über den Weg. Weil beim Kindle "dank" DRM (Digital Rights Management) Privatkopien des eBooks nicht möglich ist. Ein Modell, das auch weiten Teilen der Musikindustrie vorschwebte, als Musikdatenträger mit DRM eingeführt wurden. Zum Glück hat das dort bisher nicht so recht funktioniert.
Der Kindle-Nutzer kann sich also bei Amazon Texte beschaffen - nicht etwa kaufen, so wie man ein herkömmliches Buch kauft, das man auch verschenken oder sogar gebraucht verkaufen kann. Im Geschäftsmodell von Amazon erwirbt man nur das Recht, einen Text zu lesen. Ein Recht, das einem jederzeit ohne Warnung wieder entzogen werden kann.

Genau das ist jetzt passiert: Aufgrund von Rechtsunsicherheiten hat Amazon Texte von George Orwell von den Kindles seiner Kunden entfernen lassen. Einfach so: "We recently discovered a problem with a Kindle book that you have purchased". Dass es sich dabei ausgerechnet um Orwells Dystopien "Animal Farm" und "1984" handelt, ist dabei weniger bittere Ironie als ein sinnvoller Zufall.

Man sollte auch nicht vergessen: die Amazon-Kindle-Löschaffäre ist nur die Spitze des DRM-Eisbergs. Zwar ist es um DRM als vermeintliche Wunderwaffe gegen "Raubkopierer" still geworden, aber das ist wahrscheinlich nur den technischen Unzulänglichkeiten des bisherigen Ansatzes geschuldet. Das Modell "Kindle" könnte auch bei Videos und im Audio-Bereich Schule machen: Spezialgeräte mit straffem DRM statt Universalgeräten. Und - natürlich möchte man sagen - dürften die Freunde der gut gemeinten Bevormundung über solche Möglichkeiten begeistert sein.

Amazon löscht gekaufte Kindle-eBooks

Some E-Books are more equal than others"

Geistreiche Überlegungen zum Fall bei den Stützen der Gesellschaft.

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