Donnerstag, 9. August 2007

Franz Alt entpuppt sich wieder mal als alter naiver Alternativer

Franz Alt behauptet in seinem Artikel Keine Angst vor Biosprit.
Was in die Tanks der Auto fließt, können wir nicht essen.
und zeichnet auch sonst ein recht rosiges Bild vom Einsatz von Agrar-Diesel und Agrar-Alkohol als Treibstoffe.

Nun, leider wird Agrar-Alkohol zumeist (noch) aus Pflanzen gewonnen, die bisher in erster Linie als Nahrungsmittel angebaut wurden. Angeblich wird bereites rund ein Viertel der US-Maisproduktion für die Treibstoffgewinnung genutzt (Wirtschaftswoche: Steigende Lebensmittel-Preise erzürnen die Amerikaner). Ob die Preissteigerungen für Mais in erster Linie darauf zurückzuführen sind, ist zwar fraglich, ohne Preisseffekt bleibt die "Maisverspritung" aber sicher nicht. Und überhaupt nicht fraglich ist, dass gestiegene Maispreise vor allem für das benachbarte Mexiko ein soziales Problem ersten Ranges sind.

Noch größer ist das Problem im Agrarsprit-Vorreiterland Brasilien. Die Energiepflanzen - vor allem Zuckerrohr - werden in riesigen Monokulturen angepflanzt, mit allen bekannte ökologischen Nachteilen. Hinzu kommt, so kritisiert der internationale Kleinbauernverband La via Campesina, dass nicht die Kleinbauern, sondern Großgrundbesitzer vom Energiepflanzenboom profitieren – auf Kosten von vielen Millionen Kleinbauern, die gerade in in Brasilien schon lange buchstäblich ums Überleben kämpfen.

Beim "Biodiesel" gibt es ein Problem, über das ich schon vor über eineinhalb Jahren bloggte - nämlich, dass für seine Herstellung im großen Umfang importiertes Palmöl eingesetzt wird, und dass für neue Palmöl-Plantagen Regenwald abgeholzt wird: Biokraftstoff ist schlecht für den Regenwald und Den Teufel mit dem Belzebub ... .

Alt jubelt:
Jetzt bekommen die Bauern endlich höhere Preise für ihre wertvollen Produkte. Sie haben eine Alternative zur bisherigen Lebensmittelproduktion. Bald könnte Schluss sein mit der Überproduktion und dem Vernichtungswahnsinn am Lebensmittelmarkt.
Ja, es könnte sinnvoll sein - da die EU-Landwirtschaft tatsächlich Überschüsse produziert. Aber: In der Europäischen Union sollen bis 2020 insgesamt zehn Prozent des Treibstoffes durch Agrar-Alkohol bzw. -Diesel ersetzt werden. Selbst für dieses vergleichsweise bescheidene Ziel reicht die Anbaufläche innerhalb der EU-Grenzen nicht aus, wenn man bei der herkömmlichen "Verspritung" bzw. Ölveresterung bleibt.
Aber statt das nahende Ende des Wahnsinns zu begrüßen, wird in Deutschland schon wieder gejammert: Die Flächen reichen nicht aus, um alle Autos mit Biosprit zu betanken!
Sie reichen nicht einmal für 10 % der Autos aus!
Wer will das denn? Biosprit ist selbstverständlich nur ein Teil der Lösung. Elektroautos, Wasserstoffautos, Hybridautos und vor allem kleinere, sparsamere Autos kommen hinzu.
Stimmt. Und auch der von Alt angesprochene Ausbau der öffentlichen Verkehrmittel dürfte sinnvoll sein.

Das Grundproblem bleibt aber, dass "Biotreibstoff" fast ausschließlich aus primären Agrarrohstoffen gewonnen wird - aus dem "Hauptprodukt" der angebauten Pflanze, das zugleich Nahrungmittel ist: Rapsöl, Maiskörner, Rohrzucker, Palmöl usw. . Sinnvoller ist es, die Biotreibstoffe aus sekundären Argarrohstoffen (z. B. Maisstroh) oder gar aus Abfällen zu gewinnen. Technisch machbar ist es, z. B. berichtete "nano" vor einiger Zeit über Treibstoff aus Müll.

Sehr lesenswert was im amerikanischen "Rolling Stone" online zu "Biosprit" steht: Ethanol Scam: Ethanol Hurts the Environment And Is One of America's Biggest Political Boondoggles

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