Freitag, 20. Juli 2007

... und noch ein Aufreger

Schon mal darüber gewundert, wieso so viele Politiker sich so vehement für die "Online-Durchsuchung" durch das BKA einsetzen? Einen Teil der Antwort kann man sich aus der Presse zusammenreimen: Der Spiegel, Ausgabe 27/2007, Seite 33:
Es war eine Horrorshow, die der Chef des Bundeskriminalamts (BKA) den Innenexperten der Großen Koalition da vorführte. Todesstille habe geherrscht, erinnert sich ein Abgeordneter. Es sei kaum auszuhalten gewesen, sagt ein anderer, ‘einfach nur widerwärtig’ .

BKA-Chef Jörg Ziercke hatte den Abgeordneten Abgründiges aus dem Internet mitgebracht: Videos mit jungen gefesselten Frauen, die sadistisch gefoltert werden; den grausamen Missbrauch eines bitterlich weinenden Mädchens. Und Terroristen, die einer Geisel den Kopf abtrennen.
Ziercke
Ziercke wollte schockieren, das war der Sinn seiner Berlin-Reise in der vorvergangenen Woche. Seine Vorträge bei Innenexperten beider Regierungsfraktionen endeten denn auch mit einem Appell: Um digital vorbereitete Straftaten verhindern zu können, so der BKA-Chef, bräuchten die Behörden dringend eine Gesetzesgrundlage für vorbeugende Online-Durchsuchungen.
(zitiert nach: hanno.de.)

Wie diese "Horrorshow", mit der die Parlamentarier "weichgekocht" wurden, ablief, fand Honno Zulla heraus. Er konnte mit einem Zuschauer eines BKA-Vortrag für Mitglieder des Innenausschusses über den sorgsam inszenierten und absolut einseitigen Vortrag sprechen. Der Bericht war sehr aufschlussreich und erklärt Vieles:
Die Dramaturgie der BKA-Horrorshow: Ein Bericht.
Unbedingt lesen!

Die Realität hat manchmal täuschende Ähnlichkeit mit Fritz Langs "Dr. Mabuse"-Filmen. Ob es ein "Happy End" gibt liegt auch bei uns!

Via: Schnüffelblog

Nachtrag: Eine nette Karikatur von Wiedenroth, die auf eine Weise, die selbst Schäuble verstehen müsste (wenn er denn wollte) zeigt, wie man als Terrorist ganz einfach die Online-Untersuchung austricksen kann. (Ziercke dürfte es auch so bekannt sein.)

Ich kriege das kalte Kotzen ...

... wenn ich daran denke, mit welchem Aufwand an Gesetzgebung, Überwachung, Ermittlung (auch gern mal mit verfassungsrechtlich bedenklichen Fahndungsmethoden), Strafe, Sicherheitsverwahrung und was weiss ich noch gegen "Kinderschänder" vorgegangen wird, aber wenn es darum geht, dass einem Kind von vornerein nichts passiert... aber lest besser selbst, auf gulli.com: Pädophile im Internet - Vor Kindesmissbrauch macht niemand was dagegen.
Für Kindsmissbrauch interessieren sich die einschlägigen Medien, die einschlägigen Trolle und die einschlägige politische Propaganda erst und nur dann, wenn er stattgefunden hat.

Geht es darum, Kindern diese wohl schlimmsten der denkbaren Schicksale zu ersparen, fehlt es an Geld und Interesse. Und insofern passt es hervorragend ins bigotte Bild, dass dem Pilotprojekt "Kein Täter werden" der Berliner Charite das Geld ausgeht. Just in dem Moment, in dem die Aktion Erfolge vermeldet.
Via korrupt.biz

Doch erhöhtes Leukämierisiko in der Nähe von Kernkraftwerken?

Ich las folgende Nachricht mit einiger Spannung:
In der Nähe von Kernkraftwerken erkranken mehr Kinder und Jugendliche an Leukämie. Das schließen amerikanische Wissenschaftler aus einer Studie, in der sie die Ergebnisse von 17 verschiedenen Untersuchungen zum Einfluss von Kernkraftwerken auf das Krebsrisiko zusammengefasst haben. (Auf "wissenschaft.de": Mehr Leukämien in der Nähe von Kernkraftwerken.)
Damit wäre die Vermutung, dass z. B. der "Leukämiecluster" in der Elbmarsch östlich von Hamburg auf den Einfluss des Kernkraftwerks Krümmel und der Forschungsreaktoren der GKSS zurückzuführen wäre, deutlich erhärtet worden. (Nebenbei wäre die - umstrittene und meine Ansicht nach nicht haltbare - Hypothese eines vertuschten Großunfalls bei der GKSS damit unnötig geworden: der Normalbetrieb von Reaktoren würde als Risikofaktor ausreichen.)

Beim näheren Hinsehen war ich allerdings enttäuscht: Es handelt sich bei dieser Studie um eine Meta-Analyse mehrerer statistischer Erhebungen. Das statistische Grundproblem, dass kindliche Leukämie so selten ist, dass schon einige wenige Fälle zu beachtlichen Abweichungen vom landesweiten Durchschnittswert führen, bleibt bestehen. Auch ein anderes Problem bleibt: warum gibt es bei einigen Reaktoren "Leukämiecluster", bei anderen hingegen nicht? (Aus diesem Dilemma resultiert die These, dass die Kombination von Strahlung und bestimmten anderen Umweltbedingungen das Leukämierisiko bei Kindern erhöhen könnte.)

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