Sonntag, 10. Juni 2007

Eine Schneise im Tropenwaldschutz

Die Weltartenschutzkonferenz CITES soll den Raubbau an gefährdeten Tier- und Pflanzenarten verhindern. Im CITES-Anhang II sind z. B. Arten gelistet, bei denen der internationale Handel nur unter strengen Kontrollen möglich ist. Es bleiben aber breite Schneisen im Artenschutz. Denn wenn die Regierungen in den Ursprungsländern mit dem Raubbau einverstanden sind, dann kann eine Art nicht auf den CITES-Anhang II gesetzt werden.
So geschehen bei der Tropenholzart Cedro: auf auf der Weltartenschutzkonferenz CITES in Den Haag wurde der von Deutschland als Ratsvorsitzender für die EU gestellt Antrag zurückgezogen. Sämtliche Verbreitungsstaaten in Süd- und Lateinamerika hatten zuvor erklärt, gegen den Antrag zu stimmen.

Das in Europa und Nordamerika sehr beliebte Tropenholz Cedro, auch "Spanische Zeder" genannt, gehört zur Famlie Mahagonigewächse, erzielt hohe Preise und wird vor allem zu hochwertigen Möbeln verarbeitet. Nach Angaben des WWF wird zu viel Cedro geschlagen, auch illegal und sogar in Schutzgebieten. Die verschiedenen Arten der Gattung Cedro werden auf der Roten Liste der Weltnaturschutzbehörde IUCN als gefährdet und stark gefährdet geführt.

Aber der "schwarze Peter" der versäumten Chance liegt nicht allein in Südamerika: "Die EU hätte sich vorab ausführlicher mit den Verbreitungsstaaten zusammensetzen müssen", kritisiert die kolumbianische WWF-Expertin Ximena Barrera. "Diese Chance ist vertan worden. Die süd- und lateinamerikanischen Regierungen setzen für wirtschaftliche Interessen die Zukunft weiterer Baumarten aufs Spiel." Die Cedro-Wälder seien Lebensraum für zahlreiche Tierarten, die durch den exzessiven Holzhandel bedroht würden.
Umweltjournal: Teures Tropenholz bleibt ungeschützt

Problem-Tigerente?

Der scheidende bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber will vermutlich bei Kindern und Eltern in schlechter Erinnerung behalten werden. Oder es ist irgendetwas im Weißbier, dass Politiker paranoid werden lässt. Anders kann ich mir seine völlig überzogenen verbalen Angriffe auf den populären Kinderbuchautor und Karikaturist Janosch ("Tigerente", "Oh wie schön ist Panama") nicht erklären.

hpd-online: Stoiber attackiert Janosch
NGZ: "Katholiken-Hasser" - Stoiber greift Zeichner Janosch an
Man dürfe nicht zulassen, so Stoiber gestern in Berlin, dass der 76 Jahre alte Janosch mit seinen teilweise antireligiösen Zeichnungen und Äußerungen Zugang zu unseren Kinderzimmern erlange. Kirche, Gesellschaft und Politik müssten statt dessen an einem Strang ziehen und den Kindern Orientierung, Werte und Religion vermitteln.
Es stimmt, Janosch ist kirchen- und religionskritisch. Andererseits: er hat immer klar zwischen seinen "Erwachsenen-Karikaturen", die oft absichtlich an die Grenzen des "guten Geschmacks" gehen, und seiner Arbeit für Kinder unterschieden.
Anlass der scharfen Verbal-Attacke dürfte der Abdruck einer religionskritischen Janosch-Zeichnung im Magazin "Der Spiegel" sein. Die Karikatur "Taufe", deren Original momentan in der Ausstellung "Konstantin: Kunst & Provokation" in Trier zu sehen ist, zeigt einen Geistlichen, der einem Säugling über dem Taufbecken mit einem Hammer das Kreuz in den Bauchnabel treibt. In dem dazugehörigen Artikel wurde Janosch als Beiratsmitglied der religionskritischen Giordano Bruno Stiftung auch kurz zitiert: „Katholisch geboren worden zu sein, ist der größte Unfall meines Lebens."

Dass sich ein konservativer Katholik und Befürworter einer christlichen Leitkultur über Janosch' Karikatur aufregen würde, ist normal. Seine panisch-paranoide Reaktion auf Janosch' Bilderbücher erinnert aber sehr an die christlicher Fundamentalisten, die argwöhnen, Harry Potter würde Kinder zum Okkultismus oder Satanismus verführen. Der Fall ähnelt in seiner Lächerlichkeit weniger an den Fall der Mohammed-Karrikaturen oder die Killerspiel-Hysterie
als an die Teletubbyhomophobie in polnischen Regierungskreisen.

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